Am Sonnabend reiste die Rugbyspielgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern (RSG MV) zum Auftakt in das Rugbyjahr 2018 zum Verfolgerduell nach Hannover zum dortigen Stadtteilklub SV 1908 Ricklingen. Um am Tabellenprimus aus Lübeck dranzubleiben und die Play-offs der besten Teams der Verbandsliga Nord sicher zu erreichen, war ein Sieg für die RSG quasi schon Pflicht.

Nachdem das Nachholspiel gegen Sparta Werlte vor Wochenfrist bereits dem Wetter zum Opfer gefallen war, bangten die Männer der RSG unter der Woche, ob es überhaupt zum Spitzenspiel kommen würde. Doch Frau Holle hatte ein Einsehen mit den Rugbybegeisterten und verschonte die Leine-Stadt mit weiterem Schneefall. Daher machten sich am Sonnabend in aller Frühe insgesamt 25 Spieler aus Wismar, Greifswald und Rostock auf den Weg nach Hannover.

Über die langen Wintermonate hatte die RSG zwei gemeinsame Trainingslager abgehalten und an allen taktischen und konditionellen Stellschrauben gedreht. So war der Wismarer Teammanager Carsten Pust durchaus optimistisch, in seiner alten Heimat Hannover auf Sieg spielen zu können. Mit Anpfiff der Partie machte die RSG starken Druck und zeigte den zahlreichen Zuschauern beim ersten Gastspiel der RSG in Hannover überhaupt, wie schnelles Angriffsrugby in MV gespielt wird.

Nach wenigen Minuten konnte Fabian Wikander einen sehenswerten Spielzug der Hintermannschaft zum 0:5 für die RSG unbedrängt ablegen. Die folgende Erhöhung verwandelte der Greifswalder Kicker Nils Schanz sicher zum 0:7 für die Gäste von der Ostsee. Anschließend zeigten auch die Hausherren, warum sie zur Tabellenspitze gehören. Nach starkem Angriffsspiel verpasste die RSG zwei Tacklings und wurde mit einem erhöhten Versuch zum 7:7 Ausgleich bestraft.

Dann hätte es noch viel schlimmer für die Gäste kommen können: in einer völlig undisziplinierten Aktion ließ sich Hamza Alshote zu einer Unsportlichkeit hinreißen, die vom sonst souveränen Schiedsrichter nicht gesehen wurde. Dort hätte es wenigstens eine 10-minütige Zeitstrafe oder gar schlimmer einen Platzverweis für die RSG geben können. Nach der Schrecksekunde für die Gäste konnte die RSG durch einen Straftritt drei weitere Punkte auf die Anzeigetafel bringen, die von Ricklingen mit einem weiteren sehenswerten Versuch über die schnelle Hintermannschaft zum 12:10 gekontert wurde.

Kurz vor dem Pausenpfiff war es wiederum Nils Schanz, der mit einem Straftritt die 12:13 Führung für die RSG herstellte. Mit diesem psychologischem Vorteil ging das Teams aus MV dann in die Kabine. Auch in der zweiten Halbzeit legten beide Mannschaften furios los und schenkten sich keinen Zentimeter des Ricklinger Grüns.

Nach mehrfachen Phasen des wechselnden Angriffsspiels auf beiden Seiten waren es die Männer aus der Leine-Stadt, die die ersten Punkte erzielen konnten. Eine klassische Überzahlsituation nutzten die Gastgeber konsequent aus und übernahmen mit der sicheren Erhöhung die 19:13 Führung. In der Hintermannschaft mussten in der Folge mehrere RSG-Spieler angeschlagen ausgewechselt werden und zu allem Überfluss bekam Abdul Rahman wegen eines sehr hohen und gefährlichen Tacklings eine Zehn-Minuten-Zeitstrafe.

Wer nun aber glaubte, dass die RSG die Köpfe hängen ließ, sah sich getäuscht. In Unterzahl gelang zehn Minuten vor Schluss der entscheidende Versuch in einer spannenden Schlussphase. Nach starker Vorarbeit von Verbinder Tom Kramer konnten sich Hieronymus Jacker und Simon Höfer gemeinsam durch die starke Ricklinger Verteidigung tanken und zum 19:18 ablegen. Die beiden Punkte für die getroffene Erhöhung zum 19:20 erzielte Tom Kramer mit stahlharten Nerven und sicherte der RSG die Führung.

Doch noch war an der Leine nicht Schluss. Die Hausherren bedrängten das Malfeld der RSG die letzten Spielminuten ohne Unterlass. Die RSG verteidigte nun sprichwörtlich mit Mann und Maus. Mehrfach schienen die Gastgeber eine winzige Lücke in der Verteidigung der Männer von der Ostsee gefunden zu haben. Doch jedes Mal warf sich ein Spieler der RSG ins Tackling und verhinderte den Durchbruch. Schließlich pfiff der Schiedsrichter die Partie ab und der Jubel bei der RSG kannte keine Grenzen mehr.

Nach Spielende zeigte sich Teammanager Carsten Pust begeistert von der Mannschaft aus MV: „Es war das erwartet schwere Spiel in meiner alten Heimat. Beide Teams haben hart und fair gekämpft und heute alles gegeben. Wir haben hier in Hannover mit etwas Glück, aber auch mit enormen Willen den Sieg geholt und haben uns im oberen Tabellenfeld festgebissen.“ Mann des Spiels auf Seiten der RSG war Leo Stölting, der sich 80 Minuten lang für sein Team aufopferte und diverse Angriffe der Ricklinger mit starken Tacklings stoppen konnte.

Weiter geht es für die RSG nun am 7. April um 14 Uhr gegen den Hamburger Rugby Club im Sportpark Gehlsdorf, bevor am 21. April das Nachholspiel gegen Sparta Werlte in Hornstorf bei Wismar stattfinden wird. Der April wird also in Sachen Rugby in MV mehr als sehenswert.

Für die RSG spielten: Schrader, Sachse, Havran, Bellin, Thöl, Stölting, Kammer, Jacker, Demblon, Kramer (c), Knauf, Wikander, Schanz, Alshmote, Rahman, Schleifer, Unze, Höfer, Rohde, Läsche, Ahlvers, Steiger.